Mit feuchten Augen starrte sie auf ihre Hand, die sich wie eine gegen sich selbst gerichtete Waffe ihrem Gesicht näherte. Ihr Atem ging schwer und schien nicht genügend Platz in ihrer Brust zu finden, um sich auszubreiten. Ihre Speiseröhre brannte bereits und der Geschmack in ihrem Mund lag irgendwo zwischen fahl und sauer. Und doch: mehr, mehr. Es musste noch mehr gehen. Sie hatte alles richtig gemacht. Nicht zu viel gegessen, um der Fluten, die nun aus ihr heraus brachen, noch Herrin werden zu können – und um schneller an den letzten, kostbaren Saft zu kommen, ohne dessen Erscheinen sie nie aufgab. Und genug getrunken; das war ohnehin am wichtigsten.
Sie war erschöpft. Die Kühle der Toilettenschüssel unter ihren Armen fühlte sich angenehm an und spendete eine Form von fernem Trost, an den sie sich irgendwie gewöhnt hatte. Ihre Stirn war feucht von den zurückliegenden Anstrengungen und die wenigen Haare, die sich aus ihrem streng zurückgebundenen Pferdeschwanz gelöst hatten, klebten strähnig an ihrem nassen Gesicht. Mit wilder Entschlossenheit rammte sie sich den Zeigefinger ihrer rechten Hand erneut tief in den Hals. Sie nahm flüchtig die Berührung des Zäpfchens wahr, wie es über die Oberseite des Fingers glitt – und für einen kurzen, stillen Moment schloss sich ihr Mund warm und feucht um den wütenden Finger. Es war die Ruhe vor dem Sturm.
Dann schob sie die Hand das letzte Stückchen an, kratzte sich fast den Schlund und stieß doch noch etwas nach. Das Würgen setzte wie immer im Hals ein und sie musste ihre Hand kurz zurückziehen. Dieser Moment vermochte es immer noch, sie aus der Ruhe zu bringen, obwohl auch er längst vertraut sein müsste. Sie führte die leicht herausgezuckte Hand zurück, riss den Mund weit auf und zitterte vom erneuten Würgen, das durch ihren Körper flimmerte. Tränen stiegen ihr in die Augen und ein beißender Geschmack arbeitete sich ihren Hals hinauf.
Sie spürte, wie leer es in ihr geworden war, dass sie gerade den direkten Kampf gegen ihren Magen aufgenommen hatte. Würde er noch etwas preisgeben? Oder hatte sie den einen Moment zu lang gewartet, war etwas zu spät vom Tisch aufgestanden, um nur nicht aufzufallen. Sie zwang sich zu einem letzten Versuch, bei dem sie die Hand so tief verschwinden ließ, dass sie das ungute Gefühl bekam, sie würde sich gleich selbst den Mund sprengen. Ihre Backen schmerzten von der Anspannung, ihre Knie brannten von der verkrampften Haltung und die Kühle der Toilette war plötzlich nicht mehr angenehm. Mit einem letzten erschöpften Aufbäumen spuckte sie die erwartete brennende Flüssigkeit vor sich aus in die klaffende Schüssel. Der Anblick löste wie stets ein Gefühl in ihr aus, das irgendwo zwischen Stolz und Ekel verankert war. Gleichzeitig war sie so erschöpft, dass sie sich seitlich auf die Badematte gleiten ließ, um ihren Körper ein wenig zur Ruhe kommen zu lassen.
Mit müden, tränennassen Augen sah sie aus dem Fenster in der Zimmerdecke über sich in den pechschwarzen Nachthimmel. Ihr Herz klopfte so laut, dass es in ihren Ohren dröhnte, ihr Atem ging wieder schwer und immer noch brannte es ätzend in ihrer Speiseröhre. Alles war irgendwie zum Kotzen geworden.
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