Die Sonne strahlte bereits satt vom Himmel und ich war mir sicher, dass Wetter würde heute herrlich werden. Wir hatten im Mai bereits ein paar richtig heiße Tage gehabt und offenbar noch mehrere von der gleichen Sorte vor uns. Ich blinzelte gegen den brennenden Planeten, als ich plötzlich ein glockenhelles Lachen vernahm und gleich begann, mich nach der Kehle umzusehen, der es entfleucht war. Vor meinen Augen flanierte eine Gruppe junger Mädchen vorbei. Vier von ihnen, in knappen Bikinihöschen und Oberteilen, in denen das, was ihnen schon gewachsen war, kunstvoll drapiert dem Bertachter dargeboten wurde, lenkten meine komplette Aufmerksamkeit auf sich. Wäre ich nicht ohnehin schon erprobter Schweiger, der Anblick hätte mir die Sprache verschlagen. „Ich danke dir, Gott!“, dachte ich, und konnte nicht umhin, meine scheinbar beiläufige Haltung zu ändern, um mit verrenktem Hals zu glotzen. Diese Perfektion berührte mich, zumal da sie nicht im Einzel sondern einer Gruppe auftrat. Diese Schönheit! Diese Unschuld! Berge, die kein Mann je bestiegen, Täler, die noch kein Mann je durchwatet hatte. Mir war, als schwänden meine Sinne.
Am faszinierendsten erschien mir die Kleinste der vier. Im Stehen dürfte ich ihr gerade bis an die Brüste heranreichen, der Gedanke allein ließ mich wohlig erschauern. Und was waren das für Brüste! Sie waren ihrer Zeit in Reife und Vollkommenheit voraus. Ihre Jugend gewährte ihnen die Gunst der völligen Straffheit, ihre Form war Vollendung von Schönheit und ihre Größe ein Geschenk. Ich wollte zwischen ihnen versinken, ihren Duft einatmen, das Leben spüren, ein Mann werden an diesen Hügeln. Zum ersten Mal in meinem Leben war mir das Bestaunen alleine nicht genug. Ich verfluchte die magere Anzahl von Lenzen, die ich bisher gesammelt hatte und wünschte mir, ihre Zeit bliebe stehen, während meine einen Sprung um zehn Jahre nach vorne machte, damit ich sie erobern, ihr den Hof machen und sie schließlich besitzen konnte. Ich schloss für einen Moment die Augen, besessen von den süßen Gedanken und Regungen, die das Mädchen in mir ausgelöst hatte. Sie war der fleischgewordene Traum aller männlichen Phantasien, allein war ich noch kein Mann sondern nur ein Knabe, und weit davon entfernt, auch nur in den Genuss einer einzigen Berührung dieser Vollkommenheit zu kommen.
Es ist dabei ja nicht so, dass es für einen Jungen gänzlich unmöglich wäre, sich einer Frauenbrust zu nähern. Dachte ich nur an die vielen Gelegenheiten, bei denen ich auf dem Schoß einer der Freundinnen meiner Mutter gesessen und wie zufällig ihre Brüste berührt hatte, die Nase darüber geschwenkt und ihren Duft eingeatmet, mich in ihre Fülle gekuschelt und, den Daumen im Mund, davon geträumt, wie sie wohl unter der Kleidung aussah, wie sich die zarte Knospe anfühlte, wenn keine störender Stoff dazwischen war, wurde mir wohl. Doch das hier war anderes. Es war eine junge, frische Brust, ein Busen von solch überwältigender Schönheit, wie ich ihn nie gesehen hatte.
So gut meine Mutter sich auch gehalten hatte, konnten sich ihre Brüste einem gewissen Abwärtstrend mittlerweile nicht mehr verschließen, wohingegen die kleinen Brüste meiner elfjährigen Cousine, die einzigen, die ich sonst je nackt gesehen hatte, einfach noch zu kümmerlich waren, um Aufsehen zu erregen. Ganz anders diese hier. Ich war mir sicher, dass es genau diese Oberweite war, die alle Männer nachts in ihren feuchten Träumen vor sich sahen. Und ich sah sie nun leibhaftig. Und konnte mich nicht von dem Anblick lösen.
Da die Mädchen in Richtung Kiosk gingen, erinnerte ich meine Mutter an ihr Versprechen, ich würde heute eine Wurst bekommen. Aufgeregt zuppelte ich an ihrem Arm, schüttelte sie, als sie nicht gleich reagieren wollte, hielt schließlich sogar meine Hand über die Zeilen ihres Buches, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Endlich reagierte sie und kramte nach dem Nylon Portemonnaie, das sie immer im Sommer und nur im Schwimmbad benutzte, fischte es schließlich mit einem siegessicheren Blick aus dem Wust im Tascheninnenleben und strahlte: „Los geht’s!“ Ich hätte es ahnen müssen – meine Mutter ließ sich nicht davon abhalten, mich zum Kiosk zu begleiten. Ich versuchte ihr zu schmeicheln, indem ich beteuerte, ihre Ruhe nicht stören zu wollen, probierte es mit dem Argument, ich sei längst alleine groß, behauptete, ich habe einen meiner Freunde dort unten anstehen sehen: vergebens. Sie kam mit – mein Schicksal war somit besiegelt. Schließlich konnte ich ihr unmöglich sagen, dass es meinen Magen nicht im Mindesten nach einer in Ketchup und Curry getunkten Wurst mit Brötchen verlangte, sondern ich viel mehr auf Brautschau war…
Als wir endlich den Weg zum Kiosk hinter uns gebracht hatten, konnte ich das Mädchen nirgends entdecken, auch von ihren Freundinnen war weit und breit nichts zu sehen. Ich war verzweifelt und wütend, mein Groll richtete sich gegen meine Mutter, die ich doch so liebte. Aber ihrer langsamen Reaktionszeit und dem verdammten Buch, über dem sie Tag und Nacht brütete, hatte ich es zu verdanken, dass sich meine Augen nun anstatt an den wunderschönen Mädchen an dem monströsen Hintern meines Vordermanns weiden durften. Hätte ich nicht einen peinlichen emotionalen Ausbruch bereits hinter mich gebracht, und das auch noch vor weniger als zwei Stunden, ich wäre in wütende, verzweifelte Tränen ausgebrochen.
„Und, Mäxchen, wie magst du die Wurst? Im Brötchen oder im Teller? Ketchup, Senf?“ Ich wollte überhaupt keine Wurst. Ich wollte auch kein Brötchen. Und vor allem anderen wollte ich kein Mäxchen mehr sein, sondern endlich ein strammer Max, ausgewachsen und ernst genommen, mit einer Schar wunderschöner Verehrerinnen umgeben. „Senf“, würgte ich mir schließlich irgendwie aus dem Hals, obwohl ich Senf hasste. Ich hasste alles, was grün war, denn in der Regel verbarg sich hinter der Farbe entweder Gemüse oder Schimmel.
Ein helles Kichern riss mich aus meinen Gedanken. Ich versuchte, den Kopf zu drehen, ohne mit meiner Nase den Hintern meines Vordermanns zu berühren – und da waren sie! Nur wenige Meter weiter, an einer der Tischtennisplatten, entdeckte ich die Mädchen wieder. Sie standen in einer Gruppe mit zwei weiteren, die sie vorhin noch nicht im Schlepptau gehabt hatten, unmittelbar daneben. An der Platte selbst spielten zwei Jungs, etwas älter als ich, mit ihren Schlägern. Ich witterte sofort Konkurrenz und spürte, wie Nervosität sich ungewohnt schnell in mir ausbreitete. Zu meinem großen Glück hatte meine Mutter unweit der Schlange eine ihrer Freundinnen in der Wiese entdeckt und mich mit meinen Groschen alleine gelassen. So konnte ich ungehindert starren, ohne als unhöflich getadelt zu werden.
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