Mittwoch, 20. Juli 2011

Mein neues Wohnzimmer: Stadion im Feld

„Der FC Bayern München!“ Man weiß nicht, ob man die Selbstsicherheit der Aussage bewundern oder ihre Arroganz verachten soll. Aber Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger lässt am Dienstag bei der Antwort auf die Frage, wer in der Coface Arena den LIGA total!-Cup gewinnen werde, keine Unsicherheit erkennen. Im Vergleich dazu, BVB-Trainer Jürgen Klopp, höflich zurückhaltend: „Der Gastgeber – Mainz 05!“ Und selbiger, vertreten durch Manager Christian Heidel: „Der Meister – Borussia Dortmund.“

Neue Heimat in den Bretzenheimer Feldern: die Arena. (Foto: WP)

So viel lässt sich schon sagen, Jürgen Klopp lag falsch mit der freundlichen Einschätzung seines Ex-Vereins – und auch Christian Nerlinger wird den Cup heute Abend nicht neben sich auf dem Beifahrersitz platzieren können. Denn die Bayern sind gegen den „frechen HSV“ (Focus) nicht über ein 1:2 hinausgekommen, und spielen nun gegen den Gastgeber um den dritten Platz. Der natürlich an Mainz 05 gehen wird – und das ist weder arrogant noch besonders selbstsicher, sondern einfach die hoffnungsfrohe Aussage eines Fans.

Apropos Fans, die waren gestern noch ein wenig still, aber am Ende geht es bei dem Cup eben doch nicht so wirklich um was – außer natürlich für die Bayern, die immer ihre Ehre zu verteidigen haben. Das war auch deren Anhang klar, der erstmal das Team des BVB mit einem wütenden „Und ihr wollt Deutscher Meister sein?“ in Stimmung brachte – sind die übrigens tatsächlich, scheint die Münchner zu schmerzen. Anschließend brüllten sie ihren eigenen Torwart nieder, aber mit dem wollte gestern ohnehin keiner tauschen – denn als der arme Neuer den Unmut der eigenen Fans über seine schiere Anwesenheit ausgehalten hatte, traf ihn in der zweiten Halbzeit die Wut der BVB-Anhänger. Die in ihm dasselbe sehen wie die Bayern: einen Schalker.

Und dann war da noch… das neue Stadion: Steil. Eng. Laut. Bei aller Liebe und Nostalgie, aber mir wird der Bruchweg nicht fehlen nach meinem ersten Besuch im Bauch des neuen Schmuckkästchens. Es gibt diese Orte, die sich sofort richtig anfühlen. Dann die Vorahnung auf alles, was wir hier in Zukunft erleben werden. Auf die Stimmung, die sich von Tribüne zu Tribüne übertragen wird. Und als ich den Blick vom Spielfeld hebe färbt sich der Himmel rosa über den Bretzenheimer Feldern…

Noch ein paar Gedanken zu dem, was einmal Stadion-Alltag werden wird: Der Einlass hat, zumindest bei uns, problemlos funktioniert. Als es später ans Verlassen der Arena ging, waren offenbar nur halb so viele Wege offen, was unnötiges Geschiebe mit sich brachte. Sowieso hätte ich als Auswärts-Fan nicht gewusst, wo ich lang muss, um einen Bus zu finden…

Die Ordner waren freundlich und hilfsbereit, die Fangruppen sind auch im gemischten K-Block nicht übereinander hergefallen. Schön, dass die Toiletten-Anlagen mit so vielen Kabinen ausgestattet sind – allerdings schiebt und drängt sich frau dann an den wenigen Waschbecken, in trauter Enge mit den Damen, die noch auf freie Klos warten.

Was aus meiner Sicht so nicht geht ist, dass Laugengebäck und Bier nun zwar in einem Verkaufsraum zusammengefunden haben, es aber separate Schlangen dafür gibt. In den Pausen ist ohnehin kaum ein Durchkommen und zeitlich ist das doppelte Anstehen nicht zu machen, das hat gestern viel Unmut hervorgerufen. Schon klar, das Bier verkauft eben der Caterer, aber das ist so nicht praktikabel. Dafür gibt es mobile Bierverkäufer, die allerdings meist mit maximal zu 2/3 gefüllten Bechern unterwegs sind.

Nervig: die Eisverkäufer – als ob der geneigte Fußballfan beim Gedanken an den Nachmittag am Spielfeldrand von Magnum und Eiskonfekt träumt ... Dauernd steht einer dieser Schlackse im Weg, teilweise sind sie zu dritt oder viert im Block und kämpfen sich tatsächlich durch die Reihe bis zum willigen Käufer, wobei sie allen die Sicht versperren. Der freundliche Verkäufer des Fanzines Die TORToUR hingegen durfte während des Spiels nicht im Block herumlaufen – das erklär mir mal einer....

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