![]() |
| Krimi- & Drehbuchautor George Pelecanos beim Brooklyn Book Festival 2008. (Foto: David Shankbone/CC 3.0) |
Pelecanos wird häufig als Amerikas coolster Autor tituliert; eine Behauptung, die man gerne hinnimmt. Der Nachkomme griechischer Einwanderer hat zuerst mit seiner „Nick-Stefanos“-Trilogie („A Firing Offense“, „Nick's Trip“, und „Down by the River Where the Dead Men Go“) auf sich aufmerksam gemacht, in der er seinen Protagonisten mit der eigenen griechischen Herkunft ausstattet. Drogen, Alkohol, Frauen, Waffen und Kriminalität in Washington DC – was in der Synopsis beliebig wirken könnte, bekommt bei Pelecanos einen ganz eigenen Klang, eine besondere Dichte und ein sehr spezielles Tempo.
Den Klang erzeugen neben der Sprache des Autors seine ausführlichen Beschreibungen der Musik, die den Soundtrack zum Leben seiner Figuren bildet. Die Dichte entsteht aus der großen Nähe zu eben diesen Figuren und, ebenso wie das Tempo, dank der zahlreichen Dialoge. Gleichzeitig ist der Fluss der Story an sich – anders, als man es von Krimis vielfach kennt – kein reißender: Pelecanos muss keine Reifen quietschen oder Gebäude explodieren lassen, muss seine Helden nicht in wüste Ballereien schicken, um Spannung zu erzeugen. Die entsteht vielmehr aus seinen Figuren heraus, ihren Haltungen, inneren Kämpfen und Kollisionen mit der Welt um sie herum.
Dem Krimi wird gerne vorgeworfen, er sei „bloße Unterhaltung“ und somit nicht tauglich, auch als Literatur durchzugehen. Fraglos gibt es viele schlechte Krimis – wohl auch, weil in den letzten Jahren aus einem wahnsinnigen Hype heraus per se zu viele Krimis veröffentlicht wurden. Und vor allem, weil es eben in jedem Genre (auch) schlechte Bücher gibt. Wer aber ein Gefühl dafür bekommen möchte, wie literarisch Krimis sein können, der sollte sich in der Buchhandlung seines Vertrauens einen Roman von George Pelecanos bestellen. Die Verfasserin dieser Zeilen hat neben seiner Erstlingstrilogie (nur auf Englisch erschienen) auch „Drama City“ (2005) und „The Cut“ (2011) gelesen, kann aber – schlussfolgernd und aus zweiter Hand – auch fast alles andere empfehlen, was der Mann zu Papier gebracht hat.
*
