Einen Vorteil hatte Mainz 05 zu Beginn der Saison sicher: Sie waren vom ersten Spieltag an im Abstiegskampf angekommen. Weil sie es nie anders erwartet hatten. Nicht umsonst heißt es, die zweite Saison im Oberhaus sei die schwierigste. Der Überraschungseffekt ist weg, die anderen Mannschaften wissen, was sie von einem Team zu erwarten haben und unterschätzen die nunmehr nicht ganz so neue Truppe seltener als in der Vorsaison, wenn überhaupt. Zum weniger-ernstnehmen sind drei neue Aufsteiger nachgerückt, von denen gerne mindestens zweien der direkte Rückflug in die 2. Liga prophezeit wird; in dieser Saison galt das in vielen Medien zumindest für Duisburg, die den Unkern offenbar auch Recht geben werden.
Andere Vereine aber brauchten deutlich länger als die Klopp Truppe, um sich innerlich nach unten zu sortieren. Sei es der 1. FC Kaiserslautern, zu Beginn der Saison zwar von vielen als sicherer Absteiger aufgezählt, aber selbst der Meinung, mit dem Assistenten einer Legende ließe sich ein teuflisches Wunder schaffen. In der Winterpause wurde dann die Reißleine gezogen – und mit Wolfgang Wolf ein Trainer verpflichtet, den die Nürnberger gerade vor die Tür gesetzt hatten. Die haben nun zwar den peinlichsten Stadionnamen der Liga, aber unter Hans Meyer schon lange vor Ende der Saison den Klassenerhalt so gut wie sicher gemacht – und das, obwohl es auch für sie das verflixte zweite Jahr in der ersten Liga ist.
Anders der 1. FC Köln, dessen ursprünglicher Trainer Uwe Rapolder nach einem guten Start in die Saison begeistert verkündete, seine Jungs seien „heiß“. Lange hielt die Hitze leider nicht an – und so hat der Uwe nun wieder mehr Zeit fürs Solarium, während in Köln ein Schweizer die Herzen zum Schmelzen und die Jungs nach und nach in eine ligataugliche Verfassung zurückbringt, so dass kurz vor Saisonende bei den Geißböcken auf ein Wunder gehofft werden darf.
Der Mitaufsteiger Eintracht Frankfurt träumte nach einer erfolgreichen Hinrunde direkt von den Uefa-Cup-Plätzen, auch wenn das jetzt natürlich niemand mehr so recht zugeben mag. Trotzdem scheint es noch immer, als seien die Adler im Abstiegskampf nicht wirklich angekommen. Immerhin, international werden sie nun dank Erreichen des DFB Pokalfinales doch spielen, dazu müssen sie dankenswerterweise nicht einmal mehr gewinnen, nun, wo ihr Gegner FC Bayern heißt. Und auch am Wochenende gegen den FSV Mainz 05 zeigten sie auf dem Platz eine solide Leistung und retteten sich vor heimischem Publikum einen Punkt.
Eben den im Gepäck verließen auch besagte Mainzer die Commerzbank Arena. Gern spricht man in einem solchen Moment von einem „Sieg für die Moral“ und 05-Trainer Jürgen Klopp bemerkte, es sei für seine Jungs wichtig gewesen, erneut zu null zu spielen. Recht entspannt wirkte er dabei, für meine Begriffe – und das nicht zu Unrecht. Der Punkt mag zu wenig sein, um sich im Abstiegskampf deutlich abzusetzen. Aber die Ausgangsposition der Mainzer ist so schlecht nicht. Mit den Frankfurtern haben sie einen Mitkonkurrenten um den Ligaerhalt zumindest in Schach gehalten und verhindert, dass die Adler sich Zuhause ihrerseits absetzen konnten.
Das Restprogramm der Klopp Truppe mag kein Spaziergang sein, doch daheim gegen die Bayern ist ihnen zuvor schon ein Sieg gelungen. Und auswärts heißt die nächste Mannschaft, die es zu schlagen gilt – Wolfsburg. In Umfeld der VW Arena gibt man sich nach wie vor den Anstricht, mit dem Abstieg rein gar nichts zu tun zu haben. Genau das aber ist die Schwäche der Wölfe – und mit dieser überheblichen Einstellung lassen sie sich vielleicht erlegen. Liegt aber Wolfsburg erst am Boden, steht für mich endgültig fest, dass Mainz 05 am letzten Spieltag drei Mannschaften hinter sich gelassen haben wird. Dann geht es auf in die nächste Erstligasaison.
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