Ein ganzes Leben lang haben wir versucht, ihm unter Beweis zu stellen, dass wir nicht käuflich sind. Uns abgewandt, demonstrativ, wenn Scheine knisterten und Silber strahlte. Doch nun, wo er sich grausam seinem Ende zubricht, weil alles Leben weichen muss vor dem zähneknirschenden Monster, müssen wir uns eingestehen, gescheitert zu sein. Denn immer noch glaubt er, gewinnen zu können in einem Spiel, das so viel mehr kann.
Ein Leben lang schien er bemüht, uns über alle Währungen aufzuklären. Umarmungen sindgleich Scheine sindgleich Küsse sindgleich Liebe: Jeder Herzschlag ist da Bares wert. Doch unsere schlugen nicht im Takt der Münzzählmaschine und ihre Töne, unter zärtlichem Pochen produziert, klangen nicht eins mit dem Rascheln der Scheine. Denn wer nicht mitspielt, dem ist auch gleich, ob er den Sieg davontragen wird.
Die Distanz kam mit der Zeit, später gesellte sich Erstaunen hinzu, bis schließlich der Respekt sich vor unseren Treffen zu verstecken begann und erst Stunden später wieder zum Vorschein kam, ein wenig ängstlich noch. Solches aber wird nicht toleriert, schongleich nicht von der Jugend.
Die erste Wut richtete sich nicht gegen uns, sondern den einen, Felsen, unseren – ausgerechnet. Der sich nun, in der dunklen Kühle seiner Grube, nicht mehr wehren konnte. Und unsere Tränen rührten nicht, da, wo nichts gefühlt, aber alles eitel verbucht wird. So schminkten wir uns Lächeln in die Gesichter und kamen ein letztes Mal zu ihm zum Tanze. Und dann kehrte Stille ein, da die Figuren sich vom Brett zurückgezogen hatten, nur noch zu schauen.
Die neue Wut kam auf weißem Papier und traf mitten ins zärtliche Pochen. Und setzte ihm zugleich ein Ende, lenkte es fort von ihm und schnitt es gleichgültig in seine Richtung. Weil Blut, das auch eigen ist, angerührt mit einer großen Zahl, nicht lieben macht, nicht einmal im Angesicht des Monsters.
Irgendwann gaukelten andere sein Bedauern in unsere Richtung und die Kunde, er wolle seinen Frieden machen, auch wegen dem, der noch in aller Unschuld die Welt bestaunt und nichts weiß vom ewigen Spiel um Geld und Liebe. Doch kein Bedauern kam, stattdessen ging die Zeit. Und während sie dem Unschuldigen schlenderte und uns spazierte, begann sie ihm zu rasen.
Das, was uns so einfach scheint, ist ihm nicht möglich – so wird das Brett eine weite, leere Fläche ohne Figuren. Kein Bedauern. Keine neue Wut. Stattdessen eine Idee, geboren in der Zählmaschine seines Herzens, die das Brett zwischen uns in eine schneidendkalte Eisplatte verwandelt. Klingende Münzen und knisternde Scheine, für einen Blick in die unschuldigen Augen, vor seinem letzten Rendezvous mit dem Monster.
So werden wir nur eine Träne weinen um ihn, der nicht begreift. Dass seine Welt nicht die unsere ist, seine Werte uns fremd; wir immer noch nicht käuflich, nach all der Zeit. Das Monster aber wird ihn holen, ohne dass da Raum wurde für Frieden und Herzschläge – und ohne dass er versteht. Dass alles, was nötig war, in nur eine Falte seines sturen Zählmaschinenherzens hätte passen können: „Es tut mir leid.“
Nun aber wäscht das Salz über die Erinnerung, bis sie verblasst.
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