Montag, 30. Juni 2008

Frühlingsgefühle


Die Sonne lacht nackte Beine aus kurzen Röcken heraus, und irgendetwas tut sich im Hormonhaushalt: Ganz plötzlich habe ich Lust auf einen Liebesknall. Aber, wie das nun mal so ist, solche Dinge passieren nicht von einer Sekunde auf die andere, sondern suchen sich ihren perfekten Zeitpunkt selbst. Und während mich nun immer öfter die Strahlen der hoch am Himmel stehenden Sonne in der Nase kitzeln, fällt mir wieder ein, dass ich den perfekten Mann ja längst gefunden habe…

Und wir uns auch sogleich erkannt. Damals hat sich die Frage, wo frau neue Kerle kennenlernt für mich mit „an der Tanke“, beantwortet. Denn dort stand ich, war auf dem Heimweg in meine Stadt, mit der weltbesten kleinen Nichte auf dem Beifahrersitz, als er in meine Träume stolperte: Er war gerade dabei, sich in der Tankstelle ein Eis zu kaufen. Ich bin aus dem Auto gestiegen, habe angefangen zu tanken und dabei beinahe hypnotisiert in seine Richtung geschaut. Ich kann nicht sagen, was es war, das mich auf den ersten Blick so fasziniert hat, aber ich konnte meine Augen nicht von ihm nehmen und das Herz schlug mir aufgeregt den Hals hinauf.

Als er mit seinem Eis zurückkam in Richtung seines Autos, ist mein Blick erschrocken auf den Boden gefallen. Als ich ihn wieder aufgesammelt hatte und seitlich an meinem Wagen vorbeigeschickt, traf er den seinen, denn er war mit dem Auto neben mich gefahren – und ließ nun das Fenster herunter und sprach mich an. Sein hej war schüchtern – und meines überrascht. Irgendwie schien es so völlig offensichtlich, was wir beide wollten, aber keiner schaffte es, einen sinnvollen Satz zu sagen; und plötzlich war er wieder verschwunden. Und mir wurde erst auf der Weiterfahrt so richtig bewusst, dass wir das vor lauter Nervosität verdaddelt hatten: Ich wusste nicht einmal seinen Namen.

Am nächsten Tag habe ich bei der Tanke angerufen. Der Besitzer war hilfsbereit, ich durfte vorbeikommen – gemeinsam haben wir das Überwachungsvideo des besagten Tages durchgeschaut, um das Kennzeichen des Fremden herauszufinden. Ohne Erfolg: Weil er nur sein Eis gekauft und nicht getankt hatte, konnten die Kameras sein Kennzeichen nicht einfangen. Zudem hatte er bar bezahlt – also auch keine Chance auf einen Namen anhand der Bankdaten.

Eine Woche nach unserem zufälligen Zusammentreffen bin ich abends noch einmal an der Tankstelle gewesen, mit der leisen Hoffnung ihn dort wieder zu sehen – umsonst. Für eine Weile wurde mein Blick immer kurz neugierig und hellwach, wenn ich ein Auto des Typs sah, das er an jenem Abend gefahren ist, aber keine Spur von ihm. Nur ein Foto, auf der Diskette, die mir der Tankwart gegeben hat, unscharf und vogelperspektivig.

Mit dem nächsten Mann habe ich die Geschichte vergessen, mit ihr den Tankstellenprinzen. Jetzt, ohne Mann, fällt sie mir manchmal wieder ein. Sie kitzelt mich immer noch im Bauch, so wie die Sonne in meiner Nase. Und wer weiß, es heißt es doch, man treffe sich immer zwei Mal im Leben.

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